Unter dem Titel Vertonungen hören wir am Freitag, dem 13. Februar, ein Konzert des französischen Organisten Emmanuel Le Divellec, das einen weiten Bogen spannt durch fast fünf Jahrhunderte Orgelmusik - von der iberischen Renaissance bis zur Gegenwart.
Den Anfang macht Francisco Correa de Arauxo (1584-1654), der als einer der bedeutendsten Vertreter der spanischen Orgelkunst des frühen 17. Jahrhunderts gilt. Sein Tiento y discurso de segundo tono aus der Facultad orgánica steht exemplarisch für die iberische Tradition des Tientos, ursprünglich einer Fixierung freier Improvisationen.
Es folgt Johann Sebastian Bachs (1685 - 1750) Choralbearbeitung An Wasserflüssen Babylon (BWV 653). Der zugrunde liegende Psalmtext handelt von Exil, Erinnerung und Sehnsucht. Bach verwandelt den schlichten Choral in eine dichte, meditativ fließende Komposition. Auch im späteren Trio super: Herr Jesu Christ, dich zu uns wend (BWV 655) wird der Choral nicht nur harmonisiert, sondern in ein dialogisches Geflecht überführt.
Neben diese barocken Fixpunkte treten Werke aus dem 20. und 21. Jahrhundert. Jehan Alains (1911 - 1940) Première und Deuxième Fantaisie zeigen eine sehr persönliche, oft visionäre Tonsprache, in der er Referenzen an orientalische und tradierte europäische Musik mit moderner Harmonik und rhythmischer Freiheit verbindet.
Jan Pieterszoon Sweelincks (1562 - 1621) Choralvariation Mein junges Leben hat ein End steht an der Schwelle zwischen Renaissance und Barock. Die Variationen kreisen um Vergänglichkeit und Zeit - Themen, die im gesamten Konzertprogramm immer wieder anklingen.
Einen zeitgenössischen Höhepunkt bildet Valéry Aubertins (*1970) Première Sonate, die wesentlich durch die hermetische Lyrik Paul Celans inspiriert ist. In fünf Sätzen entfaltet sich eine kontrastreiche Klangreise.
Zum Abschluss hören wir Guy Bovets (*1942) Salamanca, ein Werk voller rhythmischer Energie, klanglicher Farben und spielerischer Virtuosität.
„Vertonungen“ - Orgelkonzert mit Emmanuel Le Divellec
Freitag, 13. Februar 2026, 19 Uhr
Ev. Kirche zum Heilsbronnen
Heilbronner Straße 20 (Schöneberg)
Emmanuel Le Divellec wurde 1966 in Paris geboren. Nach einem Diplom in Astrophysik studierte er Orgel bei Marie-Louise Jaquet-Langlais und André Isoir in Paris, danach bei Guy Bovet an der Musikhochschule Basel. An der Schola Cantorum Basiliensis ergänzte er seine Ausbildung bei Rudolf Lutz für die historische Improvisation und bei Andrea Marcon für Cembalo. Seit 2011 ist er Professor für Orgel und Sprecher der Abteilung für Kirchenmusik und Orgel an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover. Sein Schwerpunkt ist die historische Improvisation.
Der Eintritt ist frei. Am Ausgang wird um Spenden gebeten.