Das Abschlusskonzert des Orgelzyklus 2025/26 spannt unter dem Titel „Visionen“ einen Bogen über mehr als dreihundert Jahre Orgelmusik und führt zugleich durch unterschiedliche kulturelle Räume Europas. Von der norddeutschen Orgeltradition des 17. Jahrhunderts über die französische Symphonik bis hin zu zeitgenössischen Klängen. Es spielt der preisgekrönte britische Organist und Cembalist Freddie James.
Den Auftakt setzt die Ouvertüre The Power of Music, mit der der damals erst 17-jährige John Stanley (1712-1786) sein Musikstudium abschloss.
Die Werke von Matthias Weckmann (c. 1616-1674) und Dieterich Buxtehude (c. 1637-1707) führen in die geistige Welt des protestantischen Nordens. Wir hören die Bearbeitungen der beiden Luther-Choräle Komm, Heiliger Geist, Herre Gott (Weckmann) und Vater unser im Himmelreich (Buxtehude) sowie Buxtehudes Präludium in e-Moll.
Mit Jean Langlais (1907-1991) und Charles-Marie Widor (1844-1937) begegnet uns die französische Tradition des 19. und 20. Jahrhunderts. Langlais' Hymne d'actions de grâce „Te Deum“ entstand 1933/34 als dritter Satz der Sammlung Trois Paraphrases Grégoriennes („Drei gregorianische Paraphrasen“) und verarbeitet Teile des gregorianischen Te Deum laudamus zu einem triumphalen Werk. Ebenfalls von der Gregorianik (hier dem Weihnachtsgesang Puer natus est nobis) inspiriert ist Widors weich fließendes Andante Sostenuto aus der Symphonie gothique, das vielen als sein innigstes und poetischstes Stück gilt.
Einen zeitgenössischen Akzent setzt die Komposition St Bride, Assisted by Angels von Judith Bingham (*1952). Der Titel des vielschichtigen, mystischen Klangbildes verweist auf die Heilige Brigid of Kildare, die zuweilen als christliche Verkörperung der gleichnamigen keltischen Göttin gilt. Als Schutzpatronin der Wöchnerinnen und Hebammen soll sie einer Legende nach in einer Vision Maria bei der Geburt Jesu beigestanden haben. Diese Erzählungen von Erneuerung und Neugeburt sollen Bingham zu ihrer Komposition inspiriert haben.
Den Abschluss bildet Alfred Hollins' (1865-1942) Concert Overture in c-Moll. Hollins, der wie John Stanley und Jean Langlais seit frühester Kindheit blind war und dessen muskialisches Talent früh erkannt und gefördert wurde, schuf hier ein konzertantes Orgelwerk ohne liturgische Bezüge, das mit einem virtuosen Finale nicht nur dieses Konzert beendet, sondern auch den Orgelzyklus 2025/2026. Im September geht es weiter!
Schöneberger Orgelzyklus
Orgelkonzert mit Freddie James
Freitag, 12. Juni 2026, 19 Uhr
Evangelische Kirche zum Heilsbronnen
Heilbronner Straße 20 (Schöneberg)
Freddie James ist ein international preisgekrönter Konzertorganist, der seine Ausbildung in Amsterdam, Cambridge, Stuttgart und Basel erhielt und weltweit als Solist und als Continuospieler auftritt. Derzeit bekleidet er eine Professur für Orgel an der Hochschule Luzern - Musik.
Der Eintritt zum Konzert ist frei. Es wird um Spenden gebeten.
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